Südafrika hat den Vater des Friedens verloren

Südafrikas Nationalheld Nelson Mandela ist tot. Nach einer Lungenentzündung habe er seine letzten Wochen im Kreise seiner Familie verbracht und sei vergangenen Donnerstag, den 05. Dezember 2013, im Alter von 95 Jahren friedlich dahingeschieden. Unser Autor blickt zurück auf Mandelas Leben als Freiheitskämpfer und fragt sich, was nun aus Südafrika wird.

„Südafrika – Nelson Mandela ist tot.“ – Es war die Spiegel-Online-App, die vergangenen Donnerstag am schnellsten, um 22.51 Uhr um genau zu sein, die traurige Meldung an viele Smartphone-Nutzer schickte. Der Nationalheld Südafrikas, das moralische Gewissen einer ganzen Nation, das Symbol der Versöhnung, weilt nicht mehr unter uns. Und trotzdem ist und bleibt seine Geschichte allgegenwärtig.

Mandela
© flickr.com / Alex Drennan

Mandela der „Unruhestifter“

Begonnen hat sein Leben am 18. Juli 1918. Mandela wurde als Nelson Rolihlahla Dalibhunga Mandela geboren. Und schon damals schien sein Weg vorherbestimmt zu sein. Rolihlahla, das bedeutet „Unruhestifter“. Sein Leben verlief selten gradlinig oder gar problemlos. Sein Jurastudium brach er 1949 nach zehn Jahren ab, konnte es erst 1989 abschließen. Schon früh zeigte sich, wofür Mandela stand: Er engagierte sich gegen die Unterdrückung der Farbigen, die Apartheid. Denn die reiche, weiße Minderheit unterdrückte das schwarze Volk. Später, im Alter von 42 Jahren organisierte er Widerstandskampagnen, rief sogar zum bewaffneten Widerstand auf. Diese markieren in der Geschichte Südafrikas noch heute einen blutigen Höhepunkt. So wurde er zum Staatsfeind Nummer eins und schließlich 1962 festgenommen. Wenige Zeit später folgte die Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Doch auch davon ließ sich Mandela nicht brechen. Im Gegenteil: Sein Ziel, Südafrika den Weg zur Demokratie und zu einem friedlichen Miteinander zu zeigen, hatte er stärker denn je vor Augen.

„Werft eure Waffen ins Meer“ – von Rachegedanken keine Spur

Ganze 27 Jahre saß Mandela in Haft. Es war eine Zeit, in der Mandela über alle Landesgrenzen hinaus bekannt wurde; als berühmtester Gefangener der Welt. Schon damals ist er ein Symbol für Freiheit, für Menschenrechte. Dafür erhielt er zu Recht Anerkennung und überall auf der Welt wurde gefordert, Nelson Mandela freizulassen. Im Februar 1990 war es dann so weit: Mandela wurde vom damaligen Präsidenten, Frederik de Klerk, freigelassen. Doch Rache wollte er nicht. „Werft eure Waffen ins Meer“, sagte er damals bei seiner Rede auf der riesigen Bühne im Stadion von Soweto. Vor 120.000 Menschen hielt er damals diese historische Rede. Mandela will ein Südafrika ohne Unterdrückung aufbauen – friedlich! Eine „Regenbogen-Nation“ sollte entstehen. Eine Nation, die für alle Hautfarben und Bevölkerungsgruppen Platz bietet. Anerkennung auf gleicher Augenhöhe und gegenseitiger Respekt, das waren Mandelas Anliegen. Dafür erhält er 1993 den Friedensnobelpreis.

Nach jahrelangen Verhandlungen wird er 1994, dadurch, dass die Parlamentswahl erstmals für alle Bevölkerungsgruppen freigegeben wurde, zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas gewählt. 1999 hörte er auf, eine zweite Amtszeit kam für ihn nicht in Frage. Er hatte dem Volk den erhoffen Frieden gebracht. Nun wollte er seinen Lebensabend genießen. Sein letzter öffentlicher Auftritt war die Abschlussfeier der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 im eigenen Land. Auch dieser Auftritt demonstrierte der Welt, wie Mandela war: charismatisch, gelassen, sehr nachdenklich, weise und zudem voller Würde und Respekt anderen Menschen gegenüber.

Auch eine Ikone kann Fehler machen

Und trotzdem: Auch Nelson Mandela hat nach seiner Freilassung Fehler gemacht. In seiner Amtszeit war zum Beispiel Aids nie ein Thema. Sicher, es gab zu diesem Zeitpunkt auch andere Dinge zu tun. Später holte Mandela dies nach, trieb den Kampf gegen Aids leidenschaftlich voran. Doch über die Ökonomie und Geldströme wusste er selbst in der Zeit als Staatspräsident kaum Bescheid. Da kannte sich sein Nachfolger, Thabo Mbeki, gleich viel besser aus. Aufgefallen ist dies jedoch den wenigsten Menschen. Der Grund dafür ist einfach zu benennen: Es gibt nichts Schwierigeres, als Nachfolger einer lebenden Ikone zu werden. In Anerkennung dieser Ikone, dieser herausragenden Persönlichkeit und seines Handelns für die Nation, rief Jacob Zuma, aktuell Präsident Südafrikas, für die Zeit von Freitag bis zu der Beisetzung Mandelas Staatstrauer aus. In dieser Zeit wehen die Flaggen in Südafrika auf halbmast. Dann erhält der Versöhner Südafrikas ein Staatsbegräbnis.

Nach Mandela – was wird aus Südafrika?

Der größte Sohn der Nation lebt nicht mehr. Überall auf der Welt erinnern in diesen Tagen Politiker an das Leben des Friedensstifters – an sein Wirken für seine Nation, für die Menschheit. Sein Erbe, sich für die Menschenrechte, die Menschenwürde sowie für die Freiheit einzusetzen, lebt also weiter. Dennoch gibt es Befürchtungen, dass die Nation nach seinem Tod wieder auseinander driften könnte. Schließlich seien die Folgen der Apartheid in Südafrika immer noch spürbar. Auch die Schere zwischen Reich und Arm existiert noch, sogar stärker als jemals zuvor. Die reichen Weißen sind noch reicher geworden, die Schwarzen leben hingegen immer noch in tiefster Armut. Schnell könnte man zornig über diesen Missstand werden. Da bleibt nur zu hoffen, dass die meisten Südafrikaner sich an das Andenken ihres Nelson Mandela erinnern können.

Aber nichtsdestotrotz hinterlässt Nelson Mandela ein großartiges Vermächtnis. Er war und ist ein Beispiel dafür, wie menschliches Beisammensein, wie menschliche Kooperation und wie kultureller Austausch funktionieren kann, ja eigentlich sogar muss. Südafrika feiert nun das Leben ihres Nationalhelden – die Welt trauert um eine große Persönlichkeit, den letzten großen Freiheitskämpfer.

Erschienen auf: f1rstlife

Daniel Schüler

Geboren im Westerwald hat es Daniel für den Studiengang Journalistik nach Köln gezogen. Erste Praxiserfahrungen sammelte er bereits zuvor bei der Rhein-Zeitung, für die er heute noch als freier Autor tätig ist, oder beim SWR. Während seines Studiums lernte er zudem die praktischen Abläufe bei Radio RPR1, dem ARD Morgenmagazin, der ARD Sportschau, dem ZDF und stern TV kennen. Dies hilft ihm auch bei seinen Moderationen. Darüber hinaus betreut Daniel aktuell die Social Media-Auftritte der Olympiamannschaft für den DOSB.

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