Auf den Spuren vermisster Personen

Was macht ein Personenspürhund? Ist doch klar, werden viele denken. Schon liegen sie falsch. Unser Autor hat die Rettungshundestaffel Rennerod im Westerwald besucht, um Mensch und Hund im Zusammenspiel einmal genauer zu beobachten.
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RHS © Daniel Schüler

 

Das Training war gerade vorüber. Für die meisten spielte es keine Rolle, dass es sich um eine Übung handelte, waren sie doch froh, dass ihre Rettungshunde wie gewohnt die „Opfer“ fanden. Die Opfer? Das sind in diesem Fall Helfer und Mitglieder der Staffel, die sich zu Übungszwecken immer wieder durch den Staffelleiter verstecken lassen. Die Rettungshunde? Die können jedweder Rasse angehören und auch die Größe ist nicht weiter wichtig. Aber sie müssen psychisch und physisch auf der Höhe sein, einen guten Riecher haben und so über eine gute Auffassungsgabe verfügen. Das sind die Grundvoraussetzungen für Rettungshunde. Doch was unterscheidet diese nun von Personenspürhunden, den sogenannten „Mantrailern“ (engl. man „Mensch“, trail „verfolgen“)? Für diese gelten die Voraussetzungen selbstverständlich auch, aber nicht jeder Rettungshund eignet sich als Personenspürhund.

Hunde wollen gefordert werden

Immer mehr Hundebesitzer kommen auf den Geschmack, wollen mit ihren Hunden „arbeiten“. Ihnen ist klar, dass ihr „treuer Gefährte“ nicht nur für eine Kuscheleinheit auf der Couch gedacht ist. Er benötigt auch viel Beschäftigung und muss sich ausreichend bewegen. Durch das Trailen werden die Hunde zusätzlich gefordert. Dafür haben sich schon vor einiger Zeit Susanne und Nicole entschieden. Susannes Hund, Ronja, ein braun-weißer bretonischer Vorstehhund, erfüllt die speziellen Anforderungen an einen Personenspürhund und befindet sich in der Ausbildung. Ebenso wie Nicoles Beagle Tony. Die Besonderheit ist es, dass die beiden „Schnüffler“ verschiedene menschliche Gerüche voneinander unterscheiden müssen. Zu Beginn einer Suche im Training liegt es an Staffelleiter Henry, ein „Opfer“ zu platzieren. Dabei ist wichtig, dass er sich den Weg des „Opfers“ zum Versteck genau einprägt. Nur so kann er überprüfen, ob der Hund später spurtreu läuft, also zum Beispiel die richtige Straßenseite wählt. Bei der Suche nach einem Versteck scheut sich Henry nicht davor, die speziellen Gegebenheiten vor Ort in die Suche einzubauen. So darf zum Beispiel auch ein Aufzug kein Hindernis für eine Suchaktion sein.

Die Verantwortung liegt bei den Hundeführern

Dann obliegt es dem jeweiligen Hundeführer, seinen Hund auf die Spur anzusetzen. Dafür haben die Versteckpersonen Geruchsartikel von sich mitgebracht, an denen der Suchhund schnuppern kann. So kann er die versteckte Person identifizieren. Tony erhält sein Kommando. Wie auch Ronja, hört der Beagle auf „Trail!“ und stürmt an der Leine von Hundeführerin Nicole los. Wichtig ist, dass dieses Kommando während der gesamten Suche nur dann verwendet wird, wenn der Hund am Geruchsartikel schnuppert. Ansonsten läuft der Hund Gefahr, immer dem Geruch zu folgen, den er gerade in der Nase hat. Schnell können bei der Suche Fehler passieren. Der Hundeführer muss ebenso konzentriert agieren, wie sein Vierbeiner. Das Training erfordert viel Ausdauer, verläuft selten gradlinig und problemlos. Schon je nachdem wie die Leine geführt wird, kann man den Hund unwissentlich bei seiner Suche beeinflussen bzw. lenken. Deswegen steht Staffelleiter Henry seiner Staffel immer mit Rat und Tat zur Seite.

Die Hunde erfreuen sich an ihrer Aufgabe

Tony ist hochmotiviert; geht zielstrebig mit der Nase auf dem Boden in Richtung Innenstadt. Ein Helfer und Staffelleiter Henry folgen mit etwas Abstand, um Tony nicht zu verwirren. Tony durchquert die Fußgängerzone, den Schlosspark, checkt dabei verschiedenen Wegkreuzungen ab und spaziert pflichtbewusst in einen Aufzug. Tony ist sich seiner Sache sicher: Hiermit ist die gesuchte Person gefahren. Und dann ist es so weit. Tony findet die versteckte Person auf einem Parkdeck neben ein paar Autos. Mit einem Bellen macht er auf seinen Fund aufmerksam und erhält seine verdiente Belohnung für das ordentliche Training.

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© Daniel Schüler

Nun ist Ronja an der Reihe. Sie sucht eine andere Person. Auch sie startet gradlinig in Richtung Innenstadt, schnuppert in ein paar Einfahrten hinein, entscheidet sich für einen kleinen Aufgang. Nach circa 20 Metern greift Henry ein: „Da seid ihr falsch.“ Hundeführerin Susanne bremst ihren „Schatz“ und gibt ihr die Möglichkeit, noch einmal über den eingeschlagenen Weg nachzudenken und den Standpunkt „abzuchecken“. Ronja entschließt sich für eine zügige Rückkehr zum Beginn des Aufgangs. „Im Ernstfall müssten wir dieses Grundstück jetzt auch absuchen“, erklärt der Staffelleiter. Schließlich findet auch Ronja ihre Versteckperson in einer Einfahrt in einem Kellereingang und bekommt ihre Belohnung.

Mantrailer als Ermittlungshelfer

In manchen Bundesländern dient der Einsatz von Mantrailern sogar als Ermittlungsmethode, denn sie können für Gerichtsfälle wichtige Indizien liefern. Besonders, wenn es beispielsweise darum geht, bestimmte Gerüche bestimmten Personen zuzuordnen. Hierfür bildet die Polizei dann ihre eigenen Personenspürhunde aus. Der möglicherweise entscheidender Vorteil des Vierbeiners: Er kann nicht lügen. Die Personenspürhunde orientieren sich lediglich an den Hautschuppen, die ein Mensch verliert. Mit Tausenden pro Minute ist dies eine beachtliche Anzahl, die der Hund als Duftspur wahrnimmt und verfolgt. Für diese Duftspuren gilt letztendlich das Gleiche wie für Fingerabdrücke: Sie sind einzigartig. Das Problem dabei: Das Verhalten des Hundes muss interpretiert werden. Genau dabei kann der Hundeführer aber irren.

Wenn Mensch und Tier harmonieren

Schnell merkt man, in der Rettungshundestaffel Rennerod stimmt die Chemie zwischen Mensch und Tier. Und das muss sie auch, denn der Hundeführer muss seinen Hund gut kennen, um ihn bei der Suche nicht zu behindern. Egal ob Nicole mit Tony, Susanne mit Ronja, Claudia mit Raja oder Andreas mit Ardi: Wenn Mensch und Tier harmonieren, erzielen sie dabei oft erstaunliche Erfolge. Das beweisen sie auch im Training immer wieder. Zu Recht freuen sich die Hundeführer nach dem Training gemeinsam über den Trainingserfolg ihrer Hunde. Und sie sind sich alle einig: Ihr Hund ist viel mehr, als ein Herzschlag zu ihren Füßen.

RHS Rennerod: http://www.rhs-rennerod.de/

 Erschienen auf: f1rstlife

Daniel Schüler

Geboren im Westerwald hat es Daniel für den Studiengang Journalistik nach Köln gezogen. Erste Praxiserfahrungen sammelte er bereits zuvor bei der Rhein-Zeitung, für die er heute noch als freier Autor tätig ist, oder beim SWR. Während seines Studiums lernte er zudem die praktischen Abläufe bei Radio RPR1, dem ARD Morgenmagazin, der ARD Sportschau, dem ZDF und stern TV kennen. Dies hilft ihm auch bei seinen Moderationen. Darüber hinaus betreut Daniel aktuell die Social Media-Auftritte der Olympiamannschaft für den DOSB.

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